Historie / Geschichte
Schon vor zwei Millionen Jahren lebten Menschen auf dem Gebiet des heutigen Tansania, wie archäologische Funde belegen. Über die Jahrtausende siedelten her viele verschiedener ethnischer Gruppen, die jeweils eigene Kulturen, Sprachen und Bräuche entwickelten. Die reiche, fruchtbare Umgebung begünstigte das frühe Leben und später die Entwicklung von Landwirtschaft und Handel.
Älteste Fossilienfunde stammen aus der Altsteinzeit und gehören zu menschlichen Vorfahren wie Australopithecus und Homo habilis. Diese Bewohner waren Sammler und Jäger, die bereits Steingeräte zur Jagd auf die vielen heimischen Wildtiere verwendeten. Später begannen Homo sapiens mit besseren Werkzeugen und besserer Überlebensstrategien diese Landstriche zu dominieren.
Vor etwa 10.000 Jahren (Neolithikum) begannen viele Menschen, sesshaft zu werden. Landwirtschaft entwickelte sich. Dauerhafte und stabile Nahrung boten der Anbau von Gerste, Hirse und Bohnen, was zur Gründung erster dauerhafter Siedlungen führte. Die Landwirtschaft ließ auch neuer sozialer Strukturen entstehen, Gemeinschaften organisierten sich auf Basis von Verwandtschaft. Soziale Hierarchien entwickelten sich aus der Rolle der Ältesten, die Entscheidungen trafen und Streitigkeiten schlichten. Religion spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen Leben, mit zahlreichen Ritualen und Zeremonien, die darauf abzielten, die Geister und Vorfahren zu besänftigen.
Wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens waren Feste und Versammlungen, bei denen Menschen Probleme besprachen, Bindungen eingingen (Heirat) und stärkten, gemeinsame Aktivitäten planten. Aus den Gemeinschaften bildeten sich die ersten Staaten. Größtes Zentrum im alten Tansania war die Kultur der Bagamoyo, die Fischerei und Handel betrieben. In vielen der ehemaligen Siedlungen wurden bei archäologischen Grabungen eine Vielzahl von Keramiken, Schmuck und anderen Kunstgegenständen gefunden. Diese zeugen von hochentwickeltem Niveau der Handwerker und geben gleichzeitig Einblick in die Entwicklung religiöser und kultureller Gepflogenheiten. Auch zeigten diese Ausgrabungen komplexer Strukturen der Ortschaften mit Häusern, Lagern und Kultstätten (Tempel).
Überschüsse aus der Nahrungsproduktion ließen Handel entstehen zwischen Stämmen, später ausgeweitet auf weitere Produkte wie Werkzeuge und Handwerkskunst. Im 7. Jahrhundert n.Chr. begann der Handel mit arabischen Kaufleuten, die aktiv neue Handelswege erschlossen und an den Küsten Handelsposten einrichteten. Vorerst waren die arabischen Händler v.a. an Gewürzen, Gold, Elfenbein interessiert, welche in deren Heimat (aber auch Indien, mit dem die Perser regen Handel trieben) sehr gefragt waren.
Der arabische und persische Einfluss veränderte Tansania nachhaltig. An der Küste entwickelten sich Hafenstädten als wichtige Handelszentren, in denen Waren, Fähigkeiten und Techniken ausgetauscht wurden. Dadurch wurde auch das landwirtschaftliche Angebot in Tansania erweitert, Zuckerrohr, Gewürze und Reis wurden nun angebaut.
Tansania wurde zum Knotenpunkt auf den Routen, die Afrika mit Arabien und Indien verbanden, was neue Verdienst-Möglichkeiten eröffnete. Viele Tansanier, gerade an den Küsten, traten zum Islam über, der dort zur vorherrschenden Religion wurde. Der Islam brachte aber auch neue Impulse für Architektur, Kultur, Kunst und Literatur. Moscheen und Schulen entstanden als Zentren für Kultur, Religion und Bildung.
Auch in die Sprache wurden arabische Begriffe übernommen, es entstand die Sprache Swahili – die sich in ganz Ostafrika ausbreitete. Swahili ist heute ein prägendes, verbindendes Symbol der Völker Tansanias.
Der Einfluss arabischer Architektur weitete sich über die Jahre auch aus auf andere Teilen Tansanias, wo Moscheen und andere religiöse Gebäude errichtet wurden, die zu Zentren des öffentlichen Lebens geworden sind. Besonders in der Bildung macht sich das bemerkbar, nun wurde Lernen weiten Bevölkerungsschichten möglich gemacht.
Die Kolonisierung war eine Zäsur. Ende des 19. Jahrhunderts "eroberten" europäische Mächte den Kontinent, etablierten koloniale Regime und Vasallen. Tansania weckte besonders das Interesse von Deutschland und Großbritannien. Vorher lebten auf dem Gebiet des heutigen Tansania zahlreiche Gruppen mit jeweils eigenen Bräuchen, Sprachen und sozialen Strukturen. Nun wurden europäische Bräuche und Gewohnheiten zur Pflicht.
Die "industrielle Revolution" schuf erhebliche Bedarfe in Europa an Rohstoffen, aber auch neue Absatz-Märkten wurden gesucht. Der Status als "Kolonialmacht" war für das deutsche Kaiserreich ein erstrebenswertes Ziel, die Tansania zu einem der ersten Opfer auf dem Kontinent machte. Deutschland begann Ende der 1880er Jahre die Kolonisierung, 1885 wurde Tanganjika zur deutschen Kolonie erklärt, und 1891 wurde die direkte Kontrolle über das Gebiet übernommen.
Die Kolonialherren entwickeln die Landwirtschaft (Kaffee, Kakao und Baumwolle), doch die Bevölkerung ausgebeutet, harte Arbeitsbedingungen wurde mit Gewalt durchgesetzt. Der "Herero-Aufstand" im Jahr 1904 dürfte das bekannteste Beispiel sein, bei dem die einheimische Bevölkerung versuchte, ihre Rechte und ihr Land zu verteidigen.
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Deutschland seine Kolonien, sie wurden unter das Mandat des Völkerbundes gestellt. Ein Jahr später wurde Tanganjika an Großbritannien übertragen, die Briten begannen, mit lokalen Herrschern zusammenzuarbeiten. Dies minderte jedoch nicht das Leid der einheimischen Bevölkerung, die weiterhin wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Einschränkungen ihrer Rechte gegenüberstand.
Die Kolonisierung führte zu erheblichen Veränderungen der landwirtschaftlichen Praktiken, die Produktion von Exportgütern (Kaffee, Baumwolle) sollte steigen. Doch die Arbeiter bekamen nur niedrige Löhne und mussten unter schweren Bedingungen arbeiten.
Transport für die Exporte wurde wichtiger, Infrastrukturen wurde aufgebaut (Straßen, Eisenbahnen), auch hier ohne Rücksicht auf Interessen der einheimischen Menschen. Deutsche und Briten führten westliche Werte und das Christentum ein. Missionare spielten eine wichtige Rolle in diesem Prozess, indem sie Schulen und Kirchen gründeten, was zur drneuten Verbreitung von Bildung und neuen Ideen beitrug.
Doch diese "Reformen" führten jedoch häufig zu Konflikten mit traditionellen Überzeugungen und sozialen Strukturen. Doch langfristig integrierte sich die europäische Kultur und das Christentum sukzessive in das lokale Leben.
Der Widerstand gegen Kolonisierung ist heute ein sehr wichtiger Teil der Geschichte Tansanias. Von Anfang an gab es Aufstände lokaler Völker, einer der weiterhin bekannten war der Aufstand der Malagasi, der 1905 begann. Er wurde zu einem Symbol des Kampfes für Freiheit und Unabhängigkeit.
In den 1950er Jahren führte die wachsende Unzufriedenheit mit dem kolonialen Regime zur Bildung politischer Parteien, die nach Unabhängigkeit strebten. Diese Parteien organisierten Kundgebungen und Protestaktionen, um auf die Probleme der einheimischen Bevölkerung aufmerksam zu machen. Diese Unabhängigkeitsbewegung wurde zum zweiten wichtigen Kapitel in der Geschichte Tansanias und führte letztendlich 1961 zur Erlangung der Unabhängigkeit.
Ein bedeutender Schritt in der Geschichte Tansanias war die Vereinigung von Tanganjika mit Sansibar, die 1964 stattfand. Sansibar, das unter britischer Kontrolle stand, erlangte Anfang 1964 ebenfalls die Unabhängigkeit, doch kurz danach brach eine Revolution auf der Insel aus, die zur Absetzung der Monarchie führte.
Die Unabhängigkeit und Vereinigung Tansanias sind wichtige Ereignisse in der Geschichte Ostafrikas, die die politische und soziale Struktur der Region grundlegend verändert haben. Am 26. April 1964 wurde die Vereinbarung zur Vereinigung unterzeichnet, welche die "Vereinte Republik Tansania" bildete. Vordringliches Ziel war Vereinigung verschiedener ethnischer Gruppen und Kulturen. Julius Nyerere, der erste Präsident, sagte in einer berühmten Rede, von nun an gäbe es nur noch Tansanier!
Politische Stabilität und soziale Reformen wurden zu wichtigen Aspekten der Entwicklung Tansanias in den ersten Jahren der Unabhängigkeit. Die Regierung Nyereres strebte die Schaffung einer einheitlichen und multikulturellen Nation an, was die Berücksichtigung der Interessen aller ethnischen Gruppen erforderte. Dennoch führte das Einparteiensystem zu Kritik von Seiten der Opposition und Menschenrechtsorganisationen. Interne Konflikte sowie externe wirtschaftliche Herausforderungen in den späten 1970er und 1980er Jahren komplizierten die Situation, was zu Schwierigkeiten im Staatsmanagement führte. Diese zwangen die Regierung, Hilfe bei internationalen Finanzinstitutionen zu suchen.
Ab den frühen 1990er Jahren begann der Prozess wirtschaftlicher Reformen, der auf die Lieberalisierung der Wirtschaft und die Anwerbung ausländischer Investitionen abzielte. Die Regierung öffnete die Wirtschaft für den privaten Sektor und internationale Kooperationen. Diese Veränderungen hatten positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Landes und seine Integration in die globale Wirtschaft.
Das moderne Tansania ist ein multikultureller Staat, Wirtschaft und Bevölkerung wächst weiterhin. Das Land arbeitet aktiv daran, seine wirtschaftliche Basis zu stärken, die soziale Infrastruktur zu entwickeln und die politische Stabilität aufrechtzuerhalten. Tourismus, Landwirtschaft und Rohstoffabbau (einschließlich Gold, Diamanten und Erdgas) wurden zu wichtigen Faktoren, die das Wirtschaftswachstum fördern.
Die Bevölkerung Tansanias ist stolz auf ihre reiche Kultur und Geschichte, die verschiedene Traditionen und Bräuche vereint. Das Land zieht weiterhin die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf sich dank seiner natürlichen Reichtümer und touristischen Möglichkeiten (Serengeti, Kilimanjaro, Victoriasee). Investitionen in Straßen, Brücken und Verkehrssysteme helfen, die Verbindung zwischen den Regionen zu verbessern und den Handel zu fördern.
Tansania hat jedoch ernsthaften Problemen im Gesundheitswesen. Eine der größten Bedrohungen bleiben Infektionskrankheiten wie Malaria, HIV/AIDS und Tuberkulose. Obwohl die Regierung und internationale Organisationen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Krankheiten ergreifen, bleibt der Zugang zu qualitativ hochwertigen medizinischen Dienstleistungen weiterhin schwierig. Nachdem US-Präsident Trump USAID aufgelöst und auch die Zahlungen an UN-Aids fast gänzlich eingestellt hat, fehlen hier Millionenbeträge.
Bildung spielt eine Schlüsselrolle in der Entwicklung Tansanias, besonders die Bildungsmöglichkeiten für Mädchen. Das Bildungssystem leidet an einem Mangel an qualifizierten Lehrern, schlechter Infrastruktur und unzureichender Finanzierung. Dennoch haben es Präsident Magufuli und seine Nachfolgerin Samia S. Hassan geschafft, schon während der Corona-Pandemie viele neue Schulgebäude bauen zu lassen.
Die Jugend des Landes stellt eine bedeutende Ressource für die zukünftige Entwicklung dar. In den letzten Jahren ist die Zahl der Studierenden und Fachkräfte gestiegen, was Potenzial für wirtschaftliches Wachstum und soziale Dynamik schafft. Dennoch stehen viele junge Menschen vor Problemen bei der Arbeitsvermittlung und einem Mangel an Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung.
Trotz des wirtschaftlichen Wachstums lebt ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin unter der Armutsgrenze, und das Einkommensungleichgewicht bleibt hoch.
Tansania sieht sich auch ernsthaften Umweltproblemen gegenüber, einschließlich Klimawandel, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und Verlust der biologischen Vielfalt. Die Nationalparks und Reservate, die die Grundlage des Tourismus bilden, sind Bedrohungen durch Wilderei und Abholzung ausgesetzt. Effiziente Maßnahmen zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen sind erforderlich, werden aber erst langsam eingeführt.
Die Geschlechtergerechtigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der sozialen Reformen in Tansania geworden. Nach der Unabhängigkeit erhielten Frauen das Wahlrecht und gleiche politische Rechte, jedoch blieb ihre Teilnahme am öffentlichen Leben begrenzt. Es wurde ein Erbrecht verabschiedet, das Frauen gleichen Zugang zu Eigentum gewährt. Zudem wurden Programme entwickelt, um die Anzahl der Mädchen in Schulen zu erhöhen und Unternehmerinnen zu unterstützen. Dennoch bleibt die Geschlechterungleichheit ein Problem, insbesondere in ländlichen Gebieten.
Informationen aus Wikipedia, Historische Enzyklopädie und weiteren Quellen, eigene Kenntnisse.